11.06.03

Murks mit Marx

Anmerkungen zur Wahl Oldenburger Straßennamen

PDS-Ratsherr Hans-Hennig Adler forderte aus Anlaß des 120. Todestages von Karl Marx, eine Straße in Oldenburg nach ihm zu benennen. Die NWZ berichtete am 15. März über das Ansinnen, was den NWZ-Dauer-Leserbriefschreiber Werner Klatte zu folgendem Statement herausforderte: "Viele Personen haben vom Manifest noch nie gehört oder gelesen, auch von Marx nicht." Ich möchte hier nicht in politische Diskussionen abgleiten, aber ein paar Anmerkungen gerade aus Taxifahrersicht sind sicher angebracht.

Wer noch nie von Marx gehört hat, ist ein solcher Ignorant, dass ihm Strassennamen sicherlich auch egal sind. Aber der Bekanntheitsgrad ist kein Kriterium, eher im Gegenteil. Für mich stellt es sich  so dar, dass die Verwaltung seit einigen Jahren bemüht ist, so komplizierte Namen wie möglich von Menschen zu nehmen, von denen mit Sicherheit noch niemand etwas gehört hat. Mit Karl Marx hingegen könnten auf jeden Fall alle aus den neuen Bundesländern zugezogenen Oldenbürger etwas anfangen.

Wenn ich als Taxifahrer an die äusserst dämliche Benennung der Strassennamen im Bereich des südlichen Dwaschweges denke - allesamt Menschen mit zum Teil komplizierten Namen, von denen noch nie ein Mensch gehört hat - dann wünsche ich mir so etwas wie "Karl-Marx-Strasse" oder  "Helmut-Kohl-Strasse" - nicht weil ich etwa Marxist wäre oder jemanden verkohlen will, sondern weil mir die Namen etwas sagen, ich etwas mit den Namen verbinde und ich mir deshalb diese neuen  Strassen leichter merken könnte.

Nichts gegen Rahel Varnhagen oder Heinrich Früstück, aber den "Rahel-Varnhagen-Weg" hinter dem "Bettina-von-Arnim-Ring" (der Name sagt mir wenigstens etwas) zu verstecken, ist schon eine Frechheit.

Addendum

Dass die PDS den Namen wünscht, macht ja irgendwie auch Sinn. Die wollen auch mal ein Strassenfest feiern. Ich wäre dann aber für ein schlichtes "Marxstr.", um den Unsinn vom südlichen Dwaschweg nicht auch mitzumachen. Ausserdem, warum heisst "Kandinskystr." eigentlich nur "Kandinskystr." und enthält nicht den Vornamen, wie bei es den anderen Malerstrassen in "Krankenbrück" der Fall ist. Mochte man der Bevölkerung seinerzeit den russischen Namen Wassily nicht zumuten? Und warum kann sich der ursprüngliche Name "Abraham" nicht  gegen die Nazi-Namensgebung "Winkelgang" durchsetzen? Aber wir sagen ja auch immer noch "Pekol" und nicht "VWG" -- klingt ja auch irgendwie zu sehr nach DDR, oder? Fragen über  Fragen. Wenn man erst einmal damit anfängt, über Sinn und Unsinn im Speziellen sowie im Allgemeinen nachzudenken, kann man damit gar nicht mehraufhören.
(os)

 

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