10.09.2004

Business as usual

Keine Extrawürste für das Taxigewerbe der Austragungsorte der Fußball-WM 2006

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus Brähmig hat im Juni die Oberbürgermeister der Austragungsorte für die Spiele der Fußball-WM 2006 angeschrieben mit der Bitte um Stellungnahme, ob und inwieweit zusätzliche Taxikonzessionen für die Zeit der Fußballweltmeisterschaft 2006 von den zuständigen Ämtern genehmigt werden sollen.

Er äußerte seine Sorge, daß die schlechte Lage im Taxigewerbe durch Konzessionen, die im Vorfeld der WM zusätzlich vergeben würden, weiteren Schaden nehmen könnte. Als negatives Beispiel nannte er die Folgen der zusätzlichen Konzessionen im Rahmen der Olympischen Spiele 1972 in München, die Taxidichte übersteige noch heute die aller anderen deutschen Städte und selbst die New Yorks. Sollten dennoch nach einer wissenschaftlich fundierten Analyse der Funktionsfähigkeit des regionalen Taximarktes weitere Konzessionen erteilt werden, dann müsse auf jeden Fall gewährleistet sein, daß die zusätzlichen Konzessionen eine gerichtsfeste Befristung bis zum Ende der Weltmeisterschaft beinhalten.

Die Antworten auf das Schreiben bergen allen geäußerten Sorgen zum Trotz keine Überraschungen. 10 von 12 angeschriebenen Städten antworteten dem Abgeordneten. Davon tanzten nur die zwei auch sonst schon kritisierten “Sorgenkinder” des Gewerbes - Hamburg und Berlin - aus der Reihe. Mehrheitlich heißt es: Business as usual - keine Panik also. Es seien genügend Erfahrungen mit Bundesligaspielen und anderen gut besuchten Veranstaltungen gemacht worden. Es werde erwartet, daß dem Ansturm zur WM mit dem vorhandenen Fahrzeugbestand gerecht werden könne. Hamburg und Berlin verteidigen in den Antwortschreiben ihre liberale (gelegentlich aber auch als rechtswidrig eingestufte) Haltung der freien Konzessionsvergabe.

Wohl nicht nur für Oldenburger am besten nachvollziehbar ist allerdings die Antwort der Gelsenkirchener, die auf die Erfahrungen beim Champions-League-Endspiel 2004 verweisen:

    “Das Gelsenkirchener Taxigewerbe hat hier aus eigener Initiative erfolgreich Kontakt zum Taxigewerbe der Nachbarstadt Essen gesucht. Am Spieltag haben mit Wissen und stillschweigender Billigung der Aufsichtsbehörden beider Städte 50 - 60 Taxen Fahrgäste außerhalb des eigenen Fahrgebietes aufgenommen.”

Was das bedeutet, wissen wir doch alle. Wohlwollend könnte man es auch praxisgerechtes Arbeiten nennen.
(jr)

Die Brähmig-Anfrage am Beispiel der Stadt Berlin (PDF 18 KB)

Die Antworten von

 

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