20.10.2005

Wo bleibt die gute Nachricht?

Der Traum vom beschwerdefreien Taxigewerbe

Die NWZ recherchierte und berichtet heute: "Benimmkurse für Oldenburgs Taxifahrer - Beschwerden häufen sich - Branchenkenner fordern mehr Service".

Erste Reaktionen aus dem örtlichen Taxigewerbe fielen angesichts der dort zitierten Aussage des INNENSPIEGEL-Chefredakteurs (“„Die Zahl der Beschwerden ist deutlich angestiegen!“) wie erwartet aus. "Kaum Beschwerden" - "Nestbeschmutzung" - “Kleiner Blackout?” Das reflexfreie Taxigewerbe bleibt ein Traum.

Dabei hätte der Anlaß zur Berichterstattung - das "Entlüften" eines Fahrrads am Bahnhof durch einen schon zuvor pöbelnden Taxifahrer - durchaus auch der Auftakt zu einer Beschwerde sein können, die den gestellten Ansprüchen gerecht würde: Anzeige, Ermittlung, - hoffentlich - eine Reaktion der betroffenen Taxifirma und - vielleicht - eine Meldung bei der Aufsichtsbehörde.

Wie wir sehen, gehen die Dinge gelegentlich einen anderen Gang als den "regulären".

In diese Schublade passen auch die folgenden Begebenheiten, die allem Anschein nach nie den Weg aus den Taxen heraus gefunden haben.

Da ist der eine oder andere Fahrer, der wegen jedes kleinen Fehlverhaltens anderer Verkehrsteilnehmer am ZOB einen Aufstand veranstaltet, den niederzuschlagen vermutlich manch ein Diktator seine Mühe hätte. Tränen in den Augen - selbst in der Nähe des Bahnhofs muß das nicht immer auf Abschiedsschmerz hindeuten.

GAU - mancher Anwohner der Ofener Straße deutet sich das Wort ob der langfristigen Sperre in die "größten anzunehmende Unsäglichkeit" um. Ein Fahrer legte den Begriff dagegen kürzlich als den "größten abzufahrenden Umweg" aus. Vom ZOB aus gelangte er über BAB-Auffahrt Kreyenbrück, BAB-Abfahrt Haarentor nach Bloherfelde. "Ortskundige sollen den Bereich weiträumig umfahren" - war das wirklich so gemeint?

Universität, FH, VHS, Schloß - Bildung und Kultur werden in dieser Stadt groß geschrieben. Bildung und Kultur besaß auch schon manch ein Besucher Oldenburgs - Kenntnis über die Lage der Gebäude und großzügiges Darüberhinwegsehen, daß der Taxifahrer offensichtlich noch recht "neu" im Geschäft war.

Man könnte diese Reihe locker weiterführen. Only bad news are good news? Sicher. Man braucht sich nur die Logfiles dieser Internet-Site anschauen. Die Seitenaufrufe sagen: Bäh-Taxi hui, Plus-Taxi pfui. Doch das ist zu kurz gesprungen. Es gibt sie, die guten Nachrichten. Die aufmerksamen Fahrer, die hilfsbereiten Ritter der Straße. Die, die den blinden Fahrgast bis in die Arztpraxis bringen. Die, die hinter dem Steuer ganz nebenbei mit viel Geduld zwischenmenschliche Probleme der Beförderten lösen, auch wenn die Länge der Fahrt in krassem Gegensatz zum Aufwand steht. Die, die ihr Taxi täglich bis in den letzten Winkel blankputzen, auch wenn in den letzten Jahren immer weniger Fahrgäste einsteigen, um das zu honorieren.

Eines eint beide Gruppen: Explizite Meldungen, Reklamationen, Anzeigen oder Belobigungen der Fahrgäste bei Firmen und Behörden haben großen Seltenheitswert, die weitaus meisten Unmutsäußerungen bleiben an des Fahrers Ohr hängen und warten vergeblich auf ihre Bearbeitung, Veröffentlichung und Archivierung. So bleibt der wahre Nestbeschmutzer genauso unentdeckt wie sein Gegenstück, der zuvorkommende Servicemensch.

Benimmkurse, Plus-Taxen, bessere Ausbildung - sie einzuführen ist kein Eingeständnis, daß die gegenwärtige Lage als unzulänglich betrachtet wird. Es ist vielmehr das Versprechen an den Fahrgast, aktiv dafür zu sorgen, daß der Fahrpreis jeden Cent wert ist, den er kostet und kosten muß. Ein Versuch zu verhindern, daß bei soviel Mißverständnissen nicht die Masse der Fahrer unter die immer eckigeren Räder kommt. Daß die Verursacher der bad news doch irgendwann einmal das schlechte Servicegewissen überkommt. Daß man sich als Urheber von good news auch gut fühlen darf. Und nicht nur schlecht träumen.
(jr)

Das Thema im INNENSPIEGEL-Forum:
Wer solche "Kollegen" hat, braucht keine Feinde
 

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