18.03.2005

20.000 EUR

Bundesrat für schärfere Strafbemessung nach dem PBefG

Der Bundesrat hat sich in seiner heutigen Sitzung dafür ausgesprochen, die Strafbemessung nach dem Personenbeförderungsrecht von 5.000 auf 20.000 EUR zu vervierfachen.

Der Gesetzesantrag wurde vom Senat der Stadt Hamburg vorgelegt. Er sieht neben der generellen Strafverschärfung auch Sanktionsmöglichkeiten für Zuwiderhandlungen beim Anbringen von Schildern mit Ordnungsnummer sowie Namen und Betriebssitz des Unternehmers im Fahrzeug vor.

Zur Begründung der Änderungen heißt es in dem Antrag:

    zur Strafverschärfung:

    Nach § 61 Absatz 2 des Personenbeförderungsgesetzes können ordnungswidrige Verstöße gegen Bestimmungen dieses Gesetzes sowie gegen auf dieses Gesetz gestützte Rechtsvorschriften mit einer Geldbuße bis zu 5.000 € belegt werden. Dieser Bußgeldrahmen ist zu eng, um alle Verstöße gegen das Personenbeförderungsrecht angemessen zu ahnden. Dies betrifft vor allem den Fernverkehr mit Kraftomnibussen, aber auch die gewerbliche Beförderung von Personen mit Personenkraftwagen. Im Fernverkehr mit Kraftomnibussen werden immer wieder Unternehmer angetroffen, die keine oder nur eine unzureichende Genehmigung besitzen. Vielfach kann eine Genehmigung nicht erteilt werden, weil bereits für andere Unternehmen Genehmigungen auf diesen Routen erteilt worden sind. Offenbar sind die Einnahmen im Fernverkehr jedoch so einträglich, dass einige Unternehmer das Risiko auf sich nehmen, bei einer Kontrolle ein spürbares Bußgeld zahlen zu müssen. Deshalb sind in Hamburg bereits Bußgelder in Höhe von 10.000,- DM (seinerzeitiger Höchstsatz) sowie in mehreren Fällen in Höhe von 3.500 € verhängt worden; bei weiteren Verstößen wäre eine Steigerung derzeit nur auf maximal 5.000€ möglich. In Fällen, in denen personenbeförderungsrechtliche Vorschriften immer wieder, nicht selten sogar planmäßig missachtet werden, und in denen die Ordnung des Verkehrsmarktes erheblich gestört wird, bedarf es einer adäquaten Sanktionsmöglichkeit. Durch die Erweiterung des Rahmens bis 20.000 € wird es nicht nur ermöglicht, auch bei Intensivtätern das begangene Unrecht tat- und schuldangemessen zu vergelten, sondern die gesetzliche Bußgelddrohung schreckt bereits potenzielle Täter ab.

    Die Notwendigkeit, die Einhaltung der bestehenden Regelungen gerade im Verkehrsgewerbe durch eine Bewehrung mit einem Bußgeldrahmen mit hoher Obergrenze durchzusetzen, ist für den Bereich des Güterkraftverkehrsrechts schon im Jahre 2001 anerkannt worden: Derzeit gilt dort für gravierende Verstöße ein Bußgeldrahmen bis 20.000 € (für bestimmte Fälle illegaler Beschäftigung im Zusammenhang mit gewerblichem Güterkraftverkehr sogar bis 200.000 €); vgl. § 19 Absatz 5 des Güterkraftverkehrsgesetzes. Um so mehr bedarf es nun einer entsprechenden Anhebung des Bußgeldrahmens im Bereich des Personenbeförderungsrechts; es ist schwerlich zu rechtfertigen, dass gegenwärtig Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen über die gewerbliche Beförderung von Gütern einer viermal so hohen Bußgelddrohung unterliegen wie Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen über die gewerbliche Beförderung  von Menschen.

    Die Vorkommnisse, bei denen die Verhängung eines Bußgelds von mehr als 5.000 Euro angebracht sein kann, sind vielgestaltig. Neben den Fällen, in denen ohne Genehmigung grenzüberschreitender Linienverkehr mit Kraftomnibussen betrieben wird, ist außerdem an den Betrieb eines Taxiunternehmens ohne die erforderliche Genehmigung zu denken.

    Weiter haben sich manche Taxenfahrer auf systematische Bereitstellung außerhalb gekennzeichneter Taxenstände verlegt; sie entziehen damit den ordnungsgemäß am Taxenstand wartenden Fahrern Kunden und erzielen erhebliche Umsatzsteigerungen. Dem Unternehmer seitens der Genehmigungsbehörde anzudrohen, seine Genehmigung zu widerrufen, wenn er dem jeweiligen Fahrer nicht  Einhalt gebiete, führt meist nicht zum Erfolg, da der Unternehmer dann oft den Fahrer entlässt, der Fahrer aber schnell eine Anstellung bei einem anderen Unternehmer findet und seine Verstöße fortsetzt.

    zur Identifikation im Fahrzeug:

    In der Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr ist zwar bei Taxen u.a. das Fehlen des Schildes mit der Ordnungsnummer in der unteren rechten Ecke der Heckscheibe bußgeldbewehrt, nicht aber ein Verstoß des Unternehmers gegen die Pflicht, in der Taxe an einer für den Fahrgast gut sichtbaren Stelle ein Schild mit dem Namen und dem Betriebssitz des Unternehmers anzubringen. Dieser Widerspruch ist nicht gerechtfertigt. Vielmehr ist durch die entsprechende Erweiterung des Ordnungswidrigkeitskatalogs zu ermöglichen, dass Taxenunternehmer, wenn nötig durch ein Bußgeld, dazu angehalten werden, im Interesse einer sicheren und ordnungsgemäßen Beförderung der Fahrgäste sämtliche festgelegten Ausstattungsmerkmale, die zur Identifikation dienen, anzubringen, auch das Unternehmerschild.

    Für die Genehmigungsdienststellen ergibt sich daraus zugleich der Vorteil, dass durch die abschreckende Wirkung einer Bußgeldbewehrung die Anzahl der Verstöße gegen die Pflicht zur Anbringung des Schilds reduziert wird. Dadurch vermindert sich der Aufwand, der bislang in Form einer Vorführung der jeweiligen Taxe bei der Dienststelle zwecks Kontrolle des Schilds entsteht.

Weitere Infos zum Verfahren:
Drucksache 138/05: Gesetzesantrag der Stadt Hamburg vom 24.02.2005

Frühere Meldung:
23.02.2005 Hamburger Senat will Strafbemessungen im PBefG verschärfen

 

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