Tagebuch der Straße

Vorstellung des Buches von Thomas Meuser

Tagebuch der Straße von Thomas MeuserDer Untertitel dieses Buches beschreibt es recht  treffend: Authentische Erlebnisse und Berichte eines Taxifahrers.
Tatsächlich in Tagebuchform berichtet Thomas Meuser über seine Erlebnisse als Taxifahrer. Ort des  Geschehens ist Viersen am Niederrhein, eine Kleinstadt in der Nähe Krefelds und läßt sich durchaus mit dem Oldenburger Provinzgeschehen vergleichen.
 
Nachdem der Autor seine Anstellung in der  Textilindustrie verloren hatte, machte er seinen P-Schein und begann in einer Firma mit etwa 20 Taxen. Er fand hier schnell einen fast familiären Anschluss, nimmt Anteil an dem Krebsleiden seiner Chefin und spricht voller Hochachtung von den menschlichen Führungsqualitäten von den Führungsqualitäten des Firmeninhabers.
Die Kollegen kommen nicht ganz so gut weg: Nörgelnde, vom Leben enttäuschte Fahrer und Centralisten, die gut geschmiert die besten Touren verteilen. Da gibt es den ewig grantelnden, bei jeder Gelegenheit in die Luft gehenden Fahrer Willi Schulz (wem von uns fällt da nicht sofort der eine oder andere Kollege in Oldenburg ein?), den schwulen Centralisten Jürgen, der erst nach entsprechendem Geschenk, einem Pornovideo, die besseren Fahrten vermittelt.

Amüsant sind Thomas Meusers Schilderungen über seine Begegnungen mit dem anderen Geschlecht. Er verliebt sich häufig in weibliche Fahrgäste, bleibt allerdings unglücklich, weil er zu schüchtern ist. Einmal wollte er während der Fahrt gerade nach wochenlangem Zaudern seine Verliebtheit eingestehen, als ihm plötzlich ein vorfahrtberechtigtes Fahrzeug in die Quere kommt und sein  Traum mit einem lauten Krachen zerplatzt.
Nach etwa einem Jahr Nachtschicht wechselte der Autor in die Tagschicht, weil er nach diversen  Auseinandersetzungen mit Betrunkenen, von denen eine sogar vor Gericht ausgetragen wurde, vom “Milieu” endgültig die Nase voll hat.
Mit großer Anteilnahme berichtet er nun von Schicksalen seiner zumeist älteren Fahrgäste, von Geschichten, die wir so oder ähnlich alle tagtäglich zu hören bekommen.
Nach einem weiteren Jahr nimmt er die Chance wahr, wieder in die Textilbranche zu wechseln. Der Grund ist uns bekannt: Zu wenig Geld.
Die aus seiner Taxizeit dargebotenen Geschichten sind allesamt unspektakulär, vermitteln Einsteigern in die Taxiszene jedoch durchaus eine Ahnung für das, was zu erwarten ist.
Für Leser mit gewissem literarischen Anspruch (soll es ja auch unter Taxifahrern geben) ist die Lektüre jedoch ziemlich langatmig und platt.
(am)


Thomas Meuser
Tagebuch der Straße
145 Seiten 
Erschienen als Book on Demand im Battert-Verlag, 
Baden-Baden
Preis: 15,20 EUR
ISBN 3879893373

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