Nachtrag vom 05.07.2002
Eine Übersicht über die Entwicklung aller Einzelposten bei der Ermittlung des Lebenshaltungskostenindexes gibt es beim Statistischen Bundesamt als PDF-Dokument

Nachtrag vom 19.06.2002
TVD-Chef Peter Kristan gab dem Spiegel-Online ein Interview unter dem Titel “Der Teuro hat uns den Rest gegeben.”
 

09.06.2002

Teuro EURO (IV):
Glückliche Taxikunden?

In den letzten Tagen machen widersprüchliche Berichte über inflationäre Taxitarife im Zusammenhang mit der Währungsumstellung die Runde. Jetzt liefert der TVD (Taxiverband Deutschland) Argumentationsmaterial für die im Taxigewerbe Tätigen. Sein Fazit “Taxifahren ist durch die Euroumstellung billiger geworden” wird mit Beispielen aus München und Hamburg belegt.

Diese Aussage steht im Widerspruch zum Artikel “Die Wahrheit über den Euro” im Wochenblatt Die Zeit vom 23.05.2002. Dort wurde der komplette Warenkorb der Deutschen abgedruckt, nach dem das Statistische Bundesamt die Inflationsentwicklung errechnet. Die angegebenen Werte bezogen sich auf die Preisverhältnisse von April 2002 zu April 2001.

Und siehe da: Neben vielen anderen Überraschungen stehen die Taxen mit einer Preissteigerung im Jahresvergleich von 4,5 % zu Buche, deutlich über dem Durchschnittswert von 1,6 % für den gesamten Warenkorb. Die Auswirkungen der Taxitarifentwicklung auf die Gesamtausgaben eines Haushalts fallen allerdings bescheiden aus: Nur 0,09 % seines Einkommens gibt Otto Normalbürger fürs Taxifahren aus.

Fragt sich: Ist Taxifahren nun teurer geworden oder  nicht? Die Antwort kann nur lauten: Sowohl als auch! Denn es werden mal wieder Äpfel mit Birnen verglichen. Die reine Euro-Umstellung zum Jahreswechsel führte tatsächlich in vielen Orten zu billigeren Taxifahrten. Da aber der Großteil aller deutschen Taxitarife im Jahre 2001 auf einen neuen -  höheren - Kombitarif (DM für 2001, EUR für 2002) umgestellt wurde, gibt es im Jahresvergleich eine Steigerung. Daß die sehr häufig - durch ein langes Genehmigungsverfahren verzögert - auf der erheblichen Verteuerung der Dieselpreise in den vorangegangenen Jahren beruhte, kann man aber heute kaum noch einem Kunden plausibel vorrechnen.

Wegen der genannten Unstimmigkeiten sind derzeit alle TaxifahrerInnen gut beraten, bei jeder Gelegenheit Kundenaufklärung  zu betreiben und dadurch das Taxiimage zu heben. Dazu gehört auch, trotz guten Gewissens weiterhin ein dickes Fell zu tragen. Denn die Kritik der Fahrgäste an den (vermeintlich wegen der Euro-Umstellung) hohen Taxipreisen wird nicht so schnell abreißen. Genauso wie die Kritik der TaxifahrerInnen an den (vermeintlich wegen der Euro-Umstellung) so hohen Lebenshaltungskosten. Wobei ein Blick hinter die Kulissen auch dort überraschende Erkenntnisse mit sich bringen könnte. Das Fazit der Zeit:

  • “Ungeschickterweise haben die Einzelhändler gerade jene Preise erhöht, die jeder im Kopf hat, auch das weist das Statistische Bundesamt nach: Brötchen (plus 7,3 Prozent), H-Milch (plus 11,8 Prozent). Daß gleichzeitig Heizöl (minus 6,7 Prozent) und Gas (minus 6,0 Prozent) billiger wurden, hat zwar für das Budget des Durchschnittshaushalts größeres Gewicht. Aber Gas und Öl kauft man nicht jeden Tag. Von Brötchen und Milch schliesst es sich dann leicht auf Farbfernseher oder Personalcomputer, obwohl auch die jetzt  billiger sind. Die Erwartung schafft das Ergebnis.
    Und plötzlich ist nichts mehr beim Alten.”

Info am Rande: Das ewige Gejammer, daß ja alle immer weniger Geld in der Tasche haben, läßt sich durchaus belegen. Die Ausgaben für private PKW machen einen Anteil von 3,6 % von den Ausgaben eines Durchschnittshaushalts aus. (Das  bedeutet, daß für diesen Posten 40 mal so viel ausgegeben wird, wie für das Taxifahren.) Sie erhöhten sich im Jahresvergleich um überdurchschnittliche 2,4 %. Aber selbst damit ließen es die Deutschen nicht bewenden. Der Trend zu immer höherwertigen PKW führte nach Meldungen von Autozeitschriften zu Mehrausgaben von sogar 5 % im Jahresvergleich bei den Neuanschaffungen. Kein Wunder, wenn da beim Taxifahren gespart wird. Das erfolgreiche Marketing in der Autobranche macht es möglich.
(jr)


Weitere Meldungen des INNENSPIEGEL zum Thema Euro:
16.01.2002 Auf Highscorejagd mit dem Euro-Blütentrainer
23.01.2002 Zahlenspiele
01.02.2002 Die Euro-Umstellung entpuppt sich als Lohnkürzung für die TaxifahrerInnen


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Die Pressemeldung des TVD vom 05.06.2002 im Wortlaut

Alles "teuro" - nicht so bei den Taxen

Taxifahren wurde durch Euroumstellung überwiegend billiger

Berlin, den 05. Juni 2002

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 1.6.2002 seien 79 Prozent der Verbraucher der Meinung, dass Taxifahren mit der Euroumstellung teurer geworden ist.

Der Taxiverband Deutschland e.V. (TVD) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass gerade im Taxigewerbe die Tarife bei der Euroumstellung bundesweit nach dem amtlichen Umrechnungskurs (1,95583 D-Mark = 1 Euro) umgestellt wurden. Vielmehr noch, durch die Euroumstellung und die exakte Umrechnung, bei der lediglich überwiegend zu geraden Beträgen  gerundet wurde, sind in den meisten bundesdeutschen Städten Taxifahrten billiger geworden. Als Beispiel sei hier Hamburg und München genannt. Betrug die Einschaltgebühr in München vor der  Euroumstellung 5,- DM (in Hamburg: 3,90 DM), so beträgt diese nunmehr 2,60 Euro (in Hamburg: 2,- Euro). Pro Kilometer wurden in München vor dem 1. Januar 2002 2,65 DM (bis 5 km), 2,45 DM (ab 6. km) und 2,25 DM (ab dem 10. km) berechnet (in Hamburg: 3,- DM 1. bis 15. km und 2,50 DM ab dem 16. km). Nach der Euroumstellung berechnet das Taxameter pro Kilometer in München 1,35 Euro (bis 5 km), 1,25 Euro (ab 6. km) und 1,15 Euro (ab 10. km)  in Hamburg pro Kilometer: 1,53 Euro (bis 15. km) und 1,28 Euro (ab 16. km). Eine Stunde Wartezeit kostete in München vor der Umstellung 36,- DM  nach dem 1. Januar beträgt die Wartezeit pro Stunde 18,40 Euro (in Hamburg: 21,47 Euro gegenber 42,- DM). Für 1,- DM-Zuschläge werden in München nach dem 1. Januar 2002 jetzt 0,50 Cent berechnet.

Taxifahren ist damit durch die Euroumstellung billiger geworden.

Obwohl das Taxigewerbe erneut mit drastischen (Euro-)Kostensteigerungen (Ökosteuer und Steuerbelastungen, erhöhte Treibstoffkosten, gestiegene Lebenshaltungskosten, gestiegene Versicherungssteuer, etc.) zu kämpfen und weder vor noch nach der Euroumstellung irgendwelche  Subventionen erhalten hat, zählt es damit zu den Dienstleistern, die ihre Preise im Wege der Euroumstellung nicht erhöht haben.

Weitere Rückfragen richten Sie bitte an:
Peter Kristan, Vorstandsvorsitzender, Taxiverband Deutschland e.V. (TVD)

fon: +49 (0)711  754 75 03
fax: +49 (0)711  754 75 02

Taxiverband Deutschland e.V. (TVD)
 

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