Jeder Schritt vor die Tür kostet Geld

Wäre ich doch bloß zu Hause geblieben

Ich habe heute plötzlich frei, weil mein Ablöser die Kiste zerlegt hat.
 
Wenn man irgend ein Vehikel vor der Haustür stehen hat, geht es gleich mit Spritgeld los, na ja, Reifengummi,  Öl und Bremsen kommen auch noch dazu ...  Schlafen kann ich nicht, weil ich das ja soeben erst beendete.
 
Aber was essen muss ich. Steak? Zu teuer! Pizza? Wo und was für eine? Nee, auch nicht. Da kommt mir eine geniale Idee! Statt einer Mini-Pita mal eine ganze Pita zu erstehen und die mal richtig in aller Gemütsruhe am Steuer zu vertilgen. Dazu habe ich im Stress sonst nicht die Zeit.
 
Sie schmeckte tatsächlich hervorragend, - ist mir unter Stress gar nicht eingefallen. Bei einer der vielen ungerechten Funksperren merkt man sowas ja gar nicht, aber heute ...!
 
Und gespart habe ich, im Unterschied zum Preis eines Steaks. Der Bauch ist jedenfalls erst mal beruhigt.
 
Eigentlich müsste man sich 1 Bier, und zwar 0,3 Ltr., genehmigen. Damit intus darf man gerade noch so fahren, nicht etwa ´ne “Halbe” - wegen Lappen -. Mit´s Taxi sowieso nicht, aber heute ist es ja privat -.
 
Also erst einmal die Kneipenmeile entlang. Hoppla, richtig, im “Lampenputzer” gibts Kräusen! Aber nur eins!
 
“Hallooo!”
 
Da sitzen zwei Zentralisten, die auch das Haake-Beck-Kräusen zu schätzen wissen.
 
“Kannste nicht schlafen, komm her.”

“Moin.”

“Moin-Moin!”

“Vorige Woche warste zu Airport!”

“Neulich von der Klinik nach Nordenham.”
 
Das ist zwar schon ein Vierteljahr her, stimmt aber. Zum Glück ist Willi nicht auch noch da; er hatte mich nach Rotenburg geschickt.
 
Unausweichbar kostet das zwei Runden. Wäre ich doch nur ins Kino gegangen. Aber ich konnte es ja nicht lassen ...
 
Man zeigte sich erkenntlich und es gab je noch eine und noch eine. Gesprächsstoff war reichlich da: “Langes” Auto, nicht angekommen, Metallrock serviert (!), gelogen, gemotzt, “Mülleimer”, gerast, abgestaubt; alle schweren Verbrechen der letzten Jahre kamen auf die Theke. Dafür hätte ich eigentlich statt der hier und da mal vier mindestens 40 “Stunden” verpasst haben müssen.
 
Mal ehrlich: dort hat man ja das Gefühl für die Realität längst verloren. Würden die fahren müssen, ständen sie ohne ihre berühmten Zetteltouren völlig hilflos in der Landschaft herum.
 
Heute gab´s aber eine recht freundschaftliche Veranstaltung fast so wie in alten Zeiten, als wir gemeinsam auch Bundesligakegler beim Betriebssport von der Bahn geschoben hatten.
 
Und ich muss noch nach Hause. Und das mit ´nem Bauch voll Bier. Was ist unumgänglich? Es bleibt mir nichts anderes übrig als Wagen zwei Fahrer ... Was soll´s, ich krieg´ ja Ausfall bezahlt, der Unternehmer kassiert bestimmt mindestens das Doppelte. Es ist jedoch auch bei mir mindestens das Doppelte, allerdings draufgegangen. Hätte ich doch bloß das Kutscher-Portemonnaie nicht  mitgeschleppt. Wäre ich doch zu Hause geblieben! Zu tun hätte ich da genug gehabt. Aber der Zug in die Freiheit - - -.
 
Bei der Pita hatte ich noch richtig sparen können. Aber wehe, man kommt unter´s Volk.
 
Dabei wollte ich doch nur mal ´raus ohne Kiste mit Tannenbaum unter´m Hintern. Vielleicht sogar, um die Kollegen auf dem Bock mal bischen zu nerven?
 
Aber: alles hat seinen Preis. Man muß sich ja schon in acht nehmen, einen Schritt vor die Taxitür zu wagen. Zumindest wollen die Kollegen eine Zigarette ab haben. Oft jedoch geht man, sich einen Kaffee zu genehmigen.

“Bring mal ´nen Kaffee mit!”
 
Und schon wieder:
 
Jeder Schritt vor die Tür kostet Geld.
 
(wb)

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