Abgefahren!?
Sind das die neuen Tarife?

“5 Jahre ist die letzte Erhöhung schon wieder her.” - “Die Kosten für Diesel sind unerträglich gestiegen.” - “Der Kauf einer neuen Taxe wird immer kostspieliger.”

Diese Sätze geistern seit einigen Wochen und Monaten (nicht nur) durch die Oldenburger Presse. Bundesweit hat ein Trend eingesetzt, den Kostendruck, der sich in den  letzten Jahren aufgebaut hat, durch eine Tariferhöhung in der kommenden Zeit aufzufangen. Auch die Oldenburger Taxiunternehmer wollen sich dem nicht verschließen. Der Weg zu der Erhöhung, die wohl am 11.7.00 vom Rat der Stadt abgenickt werden dürfte, unterscheidet sich allerdings ein wenig vom gewohnten Prozedere anderer Jahre.

Am 5.4.00 meldete die NWZ “Oldenburger Taxifahrer haben neue Organisation”.  Gemeint waren natürlich die UnternehmerInnen. Für gewöhnliche NWZ-Leser sicher eine ausreichende Information, für die Masse der nichtselbständigen TaxifahrerInnen bedeutet das sicher schon einen kleinen  Unterschied. Denn sie sind auch bei dieser neuen Organisation außen vor (siehe Interview).

Im Februar 2000 wurde von Hans-Jürgen Hartung (Ihre  Taxenzentrale) und Horst Kalinke (Taxi Siemenroth) die Arbeitsgemeinschaft Oldenburger Taxenunternehmer (AG) gegründet. Die erste umfassende Aufgabe sah die neue Organisation darin, eine Änderung der Taxitarife herbeizuführen. Die Argumente glichen dabei dem allseits Gehörten: Diesel-, Neufahrzeug-, Werkstatt- und Personalkosten sowie Steuern und Versicherung seien in den letzten Jahren auf ein Maß gestiegen, welches nicht mehr stillschweigend hingenommen werden könne.

Angesichts dieser Aktivitäten “wachte” die schon länger bestehende Interessengemeinschaft Oldenburger Taxenunternehmer (IG) plötzlich auf. Nach Einberufung einer “Krisensitzung” zum Thema Tarife (und AG?) wurden auch deren Vorstellungen zu Papier gebracht.

Die Entwürfe beider Gruppen  unterschieden sich vom Grundsatz her erheblich: Die AG forderte eine mehr oder weniger lineare Erhöhung, die IG dagegen eine deutliche Verteuerung der Kurzfahrten bei gleichzeitiger Verbilligung von  Fernfahrten. Das hatte der Vorsitzende Hans-Günther Bartels schon 1996 in einem Bericht des Hunte-Report gefordert. Die Preise sollten sich mehr am betriebenen Aufwand orientieren.

Obwohl beide Vorschläge sich in ihrer Grundlage deutlich unterscheiden, so laufen sie doch auf eine Erhöhung in gleicher Größenordnung hinaus. Das scheint denn auch wohl eine der Grundlagen dafür zu sein, daß beide  Parteien sich während des vom Ordnungsamt eingeleiteten Verfahrens auf einen gemeinsamen Vorschlag einigten. Dabei übte wohl auch die Vorstellung Druck aus, daß die Ausarbeitung von zwei verschiedenen  Vorschlägen bei den Ausschüssen und beim Rat auf recht gemischte Gefühle gestoßen wäre.

Am 21.6.00 wurde der durch die Verwaltung gemachte Vorschlag im Verkehrsausschuß (VA) bestätigt. Nachfragen von  seiten der Mitglieder gab es dabei im Grunde keine sondern nur Verständnisbekundungen angesichts der Kostensituation. Lediglich ein Ratsherr brachte es auf den Punkt:”Es muß ja keiner Taxi fahren.” Dabei soll die Grundgebühr von 3,60 DM auf 3,80 DM steigen. Vorläufig jedenfalls, denn spätestens mit der Euro-Umstellung im Jahre 2002 ist eine Modifizierung fällig (siehe Rechtsgrundlagen).

Die  bisherigen Tagtarife von 2,20 / 2,10 / 2,00 DM sollen auf 2,80 / 2,40 / 2,00 DM angehoben, dabei allerdings die Zone 1 auf 3 km verkürzt werden. Für die Wartezeit ist eine Anhebung von 24 DM auf 42 DM  angepeilt. Der Erhöhung wirkt allerdings die beabsichtigte Einführung einer Karenzzeit von 3 Minuten bei jedem Halt entgegen. Die Wartezeit zählt erst nach deren Ablauf. Das bedeutet: Bei einer Umlaufzeit von einer guten Minute (in OL) sind Ampeln auf jeden Fall raus. Bahnschranken sowie die Cäcilienbrücke können aber immer noch zum Tragen kommen.

Die Nachttarife wurden in der öffentlichen Sitzung des VA nicht besprochen. Und mit der Begründung, nicht in ein schwebendes Verfahren eingreifen zu wollen, lehnten alle in das Verfahren involvierten Personen es ab, eine Stellungnahme dazu abzugeben. Wenn man aber spekulativ davon ausgeht, daß der bestehende Abstand zur Tagschicht gewahrt bleiben wird, so sollten die künftigen Werte 3,10 / 2,60 / 2,20 DM betragen.

Die Plazierung der Erhöhung in den Spätsommer dieses Jahres erscheint angesichts der erwarteten Konjunkturbelebung durchaus angebracht. Es wird erwartet, daß das Geld für die Dienstleistung Taxi ab Herbst wieder lockerer sitzt. Die Größenordnung der Erhöhung mag zwar den einen oder anderen Kunden überraschen. Es darf aber nicht aus dem Auge verloren werden, daß Taxen wie auch der übrige ÖPNV diese Tarifanpassungen nur in größeren Zeiträumen vornehmen. Das Vorbild Tankstelle wäre ja wohl auch keinem recht.

Es bleibt zu hoffen, daß die 3-Minuten-Regelung nicht zu negativen Begleiterscheinungen wie z.B. in Hamburg führt. Der  Fahrgast, der während der Fahrt an der Tankstelle halten läßt, um eben noch Kleinkram zu kaufen, sollte sonst nicht vergessen, auch noch ein dickes Fell zu erstehen. Und auch einige FahrerInnen könnten in Zukunft in einen Erklärungsnotstand geraten. Wer sich jetzt noch bei der Kritik “Der Hinweg war aber 60 Pfennige billiger” mit dem Warten an Ampeln und Ähnlichem herausreden kann, hat dann wohl einen Umweg  gefahren und sollte besser seine Ortskenntnis aufpolieren.

Das mit der 3-Minuten-Regelung herbeigeführte Stückchen Tarifsicherheit dürfte trotz allem die Attraktivität des Verkehrsmittels Taxi stärken. Denn dann kostet nicht nur jedes Taxi in OL gleich viel (wie auch bisher schon), sondern auch jede Strecke bei mehrfachem Durchfahren (leider in Abhängigkeit von der Tageszeit). Das ist ein Pfund, mit dem die Mietwagenfirmen nicht so ohne weiteres wuchern können.

Wer genau wissen möchte, ob der Tarif ohne Änderung die Abstimmung im Rat passiert hat, sollte am 13.Juli aufmerksam die NWZ lesen. Das Ergebnis wird dann wohl vorliegen. 

(jr - Juni 2000)
 

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