Freiheit, 35 % und das Kaffeetrinken an Nachttankstellen

“Ach, ´ne Dame”  -  Geschichte einer Berliner Taxifahrerin

Ach, ´ne DameUnbedingt lesenswert ist die Geschichte der ehemaligen Berliner Taxifahrerin Sabine Faber. Und sei es auch nur aufgrund der Befriedigung, daß die Berliner Kollegen und Kolleginnen auch nicht mehr verdienen als wir. Doch dieser Roman hat in der nicht gerade üppigen Welt der Taxiliteratur ein wenig mehr zu bieten.

Es beginnt wie so häufig: Studentin, wenig Geld, braucht dringend einen Nebenjob. Und auch Sabine Faber ist dann dem Taxifieber erlegen. Der erste Kunde, die ersten zögerlichen Versuche, am Funk mitzumischen, und dann - fast unausweichlich - die erste Nachtschicht.

Sie schreibt vom “Traumjob Taxifahren”, ohne dabei die Nachteile zu verschweigen. Dunkle Ränder unter den Augen sind dabei nebensächlich; es geht vor allen Dingen um die reduzierten Sozialkontakte. Feiern oder Fahren? Eine Frage, die sich leider für alle Taxifahrer erübrigt. Sabine Faber fuhr zur Zeit des Mauerfalls, und sie beschreibt sehr amüsant ihre ersten Fahrversuche im Ostteil der Stadt. Ihre Auseinandersetzungen mit ehemaligen Sackgassen, die nun plötzlich mit völlig verquerer Nummerierung weiterführen. Und vor allen Dingen, wie verhält sich der “Ostkunde”, das unbekannte Wesen? Oder die ersten kunterbunten Dachschild-Wartburgs an Westberliner Taxiständen (pardon: Taxihalten!). Wird der Kunde etwa bei denen einsteigen? 

Alkoholbenebelte Fahrgäste treten ebenso auf wie Chefs, die  immer nur nach noch mehr “Kasse” krähen. Dabei wirkt dieser Roman aber auf gar keinen Fall überzeichnet. Im Gegenteil, Sabine Faber schreibt detailgetreu und humorvoll,  wobei der Wiedererkennungseffekt für uns Taxifahrer besonders Spaß macht. Einziger Kritikpunkt: Eine Juli-Nachtschicht am Stand ist selten romantisch; zwei  Stunden ohne Tour, da hilft eigentlich nur noch der Biss ins Lenkrad.
(gl)
 
Erschienen ist der Roman im Schardt Verlag, Rauhehorst 77, 26127 Oldenburg. Er kann dort auch
unter der Telefonnummer 6640262 bestellt werden. Leseproben gibt es im Internet unter www.wuerfelfunk.de (Berliner Taxizentrale).

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