Was es nicht alles gibt

oder

“Lügen wie gedruckt”

Montag, 13. November 2000, Eröffnung Horst Janssen Museum. Goldkettchen Pöschel, Genosse Schröder und noch mehr. Kaputte Gestalten besoffen sich, den toten Alkoholiker und das Prozedere als Intro eines von Herzen kommenden Sehen-und-Gesehen-werden: alles nett und irgendwie langweilig.
Diejenigen, und das waren noch die meisten, die nicht Kanzler hatten sein und somit zeitig verschwinden können, mußten mit Zeigefinger am  Kinn und gekonnt begleitendem hmmhhhmmm Lithographien, Radierungen, anderes Zeug und letzlich ihr Ego überleben. Immerhin wurden dazu lecker Bahlsen-Butterkekse und lustiger Fusel serviert, der allemal das Grau in Grau zur Orgie werden lassen sollte. Man trank einander schön, vielleicht die blonde Schlampe da, rechts vor dem Selbstportät des vergötterten Vergammelten. Dem Script nach gab nun ein liebes Wort  das andere, die Scheiße bekam einen Sinn, und wo die Reise hinführte, war ohnehin klar: One night stand. Völlig unbedarft wurde eine Taxe geordert, und keinen trockenen Martini später lotterte eine herrliche Symbiose aus beispielloser Dreckschleuder und naiv armseligem Trottel vor der Tür rum, letzteres war mein Part.
Gleich und gleich gesellt sich gern, und die Libidösen räkelnd in die billigen Plätze, von  wo aus sie mich keines Blickes würdigten. Wie und warum auch, knutschen ist gesünder. Das taten die Beiden, nur nicht schüchtern sein, schmatz, lutsch, erotisches im Innenspiegel mit - diskret gespannt - ein  wenig fummel, fummel, ihr wißt schon, die kleinen Sachen. Und während sie in ihm und er in ihr ihre jeweiligen Zungen rührten, rührte sich entsprechendes in meiner Hose, und bevor es schlimmer würde, entschloß ich - Sigmunds Welt im Arsch und am Ende - repressiv masochistisch meinen Drang durch gespieltes Desinteresse zu entspannen. Nutzloses Therapeutenerbe! Trieb hin, Mutterkomplex her, nach links, rechts, eventuell, je nachdem, was die Volksbühne bot, wieder nach links zappen war von da an Programm. Dumm, daß der Käfig voller Narren, der sich mir wiederholte, ungefähr so stupid war, wie ich selbst. Gestern ist heute, ist morgen. Vielleicht wäre ich besser im Bett geblieben, blieb es nicht, und mußte deshalb die Heiligengeist lang, stadtauswärts. Meine Turteltechtelmechteltäubchen wollten, abgesehen von  in die Kiste und er in sie und sie ihn in sich, in den Scheideweg bitteschön, das paßte, manche nennen es Karma.
Unterdessen war der Wichser bemüht - Tittentherapie für kranke Finger und Hirne - seine  schleimigen Gicht- und Giergrabbel langsam nach oben zu schummeln, Körbchengröße schätzen. Jedenfalls schienen die Dinger dem Stöhnen nach okay zu sein, ein verstohlener Blick über die Schulter ließ denn  auch keinen Zweifel an der Integrität seiner Freude an diesen Wonderbra-drapierten Exponaten, die denen des Fräulein Geil von der Hardenberg-300-Jahr-herzlichen-Glückwunsch-Bussi-Bussi-Sodomie-Plakatwerbung prächtig nahe kamen. Uuiiihhhh! Weiß irgendjemand, wo die Kleine wohnt? Niemand?
Was soll´s, meine dicken Eier waren bestenfalls schlimmer geworden und die Affäre hinten mit ihnen, weshalb ich mich  erneut an den Straßenillustrationen orientierte, nichts erhoffte und plötzlich Henry Kissinger auf einem Gazelle Damen-Hollandrad, an dessen Lenker im Takt der quälend klapprigen Pedaltritte des senilen  Remigrierten eine grüne Plastikgießkanne der Marke Curver schaukelte, die Nadorster Richtung Centrum Schlangenlinien kurven sah. Das letzte Bißchen was auch immer entwich ihm, uns anderen sowieso und mir kam  der Gedanke, der alte Knabe könnte unterwegs zum Gertrudenfriedhof sein, nicht ob Satanskult und schwarzer Messen, aus Bitterkeit oder Gram, nein, vielmehr um das Grab seiner kürzlich verstorbenen Frau zu pflegen. Keine Ahnung, wie die hieß.
Bereits ein dreiviertel Jahr zuvor hatte ich die Gelegenheit, Henry dabei zu beobachten wie er einem silberfarbenen Toyota Corolla entstieg und seiner armen, am Stock kreuchenden Ollen aus der Karre half. Sie verschwanden in Bölts Grillimbiß, Bloherfelder 160, gegenüber Stand Kennedy - bekackter Illuminatendreck - und bestellten zwei Jägerschnitzel mit Bratkartoffeln zum Mitnehmen. Echt unauffällig!
Indes tagträumten meine Sexindividualisten in einer anderen Liga. Dieser eigensinnige Scheißer massierte zunächst sanft, dann deutlicher die Schenkel der Schönen, während sie ihren Kopf lasziv in den Nacken legte, und er seine Linke unter ihren Rock und diesen sanft zur Muschi hochschob. Höschen hatte sie dort keines, lag wohl im Kühlfach diesen Herbst oder Sommer, alles Jacke  wie Hose bei 3°, und dem Stinkefinger in der Pflaume, kille, kille. Nicht übel, aber Besuch würde sie lieber ´ne Nummer härter bekommen wollen, eine Phallusspritze gegen die Leere, Futter für die Eierstöcke,  knöpfte sich Armani und Macker vor, indem sie ihn am Lümmel zog und der Scheideweg erreicht war, so oder so. “Ooaah, ooaaahhh, oooaaaahhhh, jja, jjaaa, jjjaaa, jeetzt, jeeetzztt, jeeeeetzzzzttt.” Hieß das  nun, daß ich halten oder er zur Sache kommen sollte? Egal, 11 Mark 80! Wer vorne sitzt zahlt, Pech für mich.
Kurz daruf sah ich dann noch Nancy und Ronald Reagan, die aus einem  Pisskram-für-jedermann-Laden der Tengelmann-Gruppe stürzten und gerade eine neue Glühbirnenfassung für die Küchenleuchte geklaut hatten. Kaum zu glauben.
(es)

 

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