Die andere Seite:
Angestochen? Das reicht nicht!

Ihr erinnert euch?

In der ersten Ausgabe von DER INNENSPIEGEL vom 3.7.00 schrieb gl über die Folgen (oder besser: das, was nicht folgte) des Mordes am Taxifahrer Gero Diekmann aus Cloppenburg Anfang 1999.

In Ausgabe 2 hätte DER INNENSPIEGEL dann beinahe über den Mord an einem unserer Kollegen hier in Oldenburg berichten müssen.

Tja, beinahe eben, doch Klaus hat viel Glück gehabt, so daß dann schon von seiner baldigen Genesung berichtet werden konnte.

Merkwürdig aber: Die Geschichte um den Überfall in Wilhelmshaven beschäftigte einerseits alle Oldenburger TaxifahrerInnen schon, schließlich kennen fast alle diesen altgedienten Fahrer nicht nur vom Sehen. Aber die heftigen Reaktionen, die nach dem Mord an Gero Diekmann folgten, entfielen gänzlich. Damals waren tagelang anhaltende Gespräche über das Thema angesagt. Nicht nur Betroffenheit sondern regelrechtes Entsetzen herrschte vor. Einige Fahrer verfielen regelrecht in Panik, andere rüsteten eilig ihre Artillerie auf (beides kein Scherz!). Über das Fehlen von geeigneten Sicherheitsvorkehrungen wurde diskutiert. Veranstaltungen und Kurse unter dem Motto “Wie kann ich im Falle eines Falles reagieren oder Hilfe anfordern” wurden angemahnt.

Doch schon Wochen später ebbte das Interesse wieder ab. An einer entsprechenden Veranstaltung in Cloppenburg, veranstaltet vom Cloppenburger Taxigewerbe und der Polizei nahmen gerade mal zwei der hiesigen Kollegen teil. Angesagt hatten sich vorher noch mehr als ein Dutzend.

Na ja, wir vergessen halt alle ziemlich schnell, und das Suchen nach der schnellen Mark auf der Straße vertreibt meist jeden Gedanken an solche Vorfälle.

Doch ein wenig wundere ich mich schon, daß auch jetzt mal wieder nichts passiert.

Warum regt sich eigentlich keiner auf, daß viele TaxifahrerInnen so schlecht angelernt werden, daß sie nicht einmal wissen, an welchen Stellen die Alarmanlage ein- geschweige denn wieder auszuschalten ist?

Interessiert es wirklich niemanden, wie im Funk zu verfahren ist, wenn jemand in Gefahr ist? Ja ja, ich weiß: “Funktaxe bla bla usw.”. Ist ja in Ordnung, wenns funktioniert. Bei all dem Unsinn, der allerdings regelmäßig über Funk verzapft wird, fällt so ein Wort dann kaum noch auf. Und so labern denn auch alle weiter, wenn im Notfall keiner verbal dazwischenschlägt.

Videoüberwachung oder eine bundesweite automatische Ortung (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel) bei Betätigung der Alarmanlage, auflaufend bei Polizei oder der eigenen Zentrale? Nichts da, wer gibt für einen solchen Luxus schon Geld aus. Ein Navigationssystem für diejenigen, die sich nicht im Pflichtfahrbereich auskennen, scheint offensichtlich einigen wichtiger zu sein.

Peinlich auch, was sich die Gewerbevertreter seit Jahren leisten: Sie können sich nicht auf bundesweite Standards einigen. Einigen haftet bereits der Ruf an, es würde in dieser Sache nicht so recht voran gehen, weil sie selber bei der Installation der Geräte mitverdienen wollen. Im Umfeld der diesjährigen Europäischen Taximesse in Köln klagten einige Hersteller von Taxen, daß es unerträglich sei, wenn man die Fahrzeuge hinsichtlich der Verkabelung auf eine solche Menge von nicht standardisierten Ortungsgeräten ausrichten müsse.

Irgendwie bekomme ich da den Eindruck: Angestochen? Das reicht nicht. Schlimm, das so sagen zu müssen. Aber offenbar reichen bis zu 10 tote TaxifahrerInnen und eine dreistellige Zahl von Verletzten jedes Jahr nicht aus, damit sich etwas bewegt.

Pokern da etwa einige Leute, daß es vielleicht ja mal eine staatliche Beihilfe geben könnte, wenn per Gesetz bessere Sicherheitsmaßnahmen vorgeschrieben werden? Doch bis es dazu kommt, muß der (Leidens-)Druck wohl noch größer werden, es gehen eben jedes Jahr noch nicht genug von uns drauf.

Solche Leute pokern um das Leben und die Gesundheit Anderer. Wer da als FahrerIn schweigt und vergißt, der bietet mit und spielt sich vielleicht eines Tages selbst um Kopf und Kragen.
(wag)

 

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