Information-Overkill

Der Wecker klingelt. Die Tage sind kurz geworden. Kaum ist man aufgestanden, wird es auch schon wieder dunkel. Kaffeemaschine anstellen, duschen, anziehen. Während des langen Frühstücks beginnen eigentlich schon die Vorbereitungen auf die Arbeit. Der Lokalteil der örtlichen Zeitung ist heute mal wieder wenig ergiebig, aber eigentlich ist auch nur der lokale Sportteil wegen der neuesten Ergebnisse wichtig. VFL knapp gewonnen auswärts, VFB vergeigt Zuhause, WERDER ein langweiliges Unentschieden. Wenigstens hat der HSV gewonnen. Das Ei aufgeschlagen und die WELT gelesen, denn man muß ja Bescheid wissen und die überregionalen Nachrichten stehen nur vernünftig in den großen Zeitungen. Danach noch die FAZ, die SÜDDEUTSCHE, oder die FRANKFURTER RUNDSCHAU. Man muß ja Bescheid wissen. Diese Probeabos bescheren meinem Briefträger viel Arbeit, aber meine Adresse ist ihnen nun bekannt. Beim 3.ten Kaffee kommt ja auch schon die erste TagesSCHAU. Man muß ja Bescheid wissen. SPIEGEL und FOCUS reichten gestern gerade so. Heute kann ich ja dann noch einen Blick in den neuen KICKER werfen. Mein Kollege legt mir freundlicherweise die BILD zurück, das erspart mir die Schmach, sie am Kiosk kaufen zu müssen. Aber man muß ja Bescheid wissen. Bei der Arbeit läuft die ganze Zeit das Radio und manche Kollegen haben die neusten Infos über die 4.te Welle bekommen, so daß über Funk auch noch einiges zu hören ist. Noch haben wir ja den Laberfunk. Man muß ja Bescheid wissen. Draußen klappert der Briefkasten. Die Fernsehzeitungen können warten, aber die beiden Computerzeitungen und die AUDIO müssen mit zur Arbeit. Noch auf die schnelle die 17-Uhr-Nachrichten. Es hupt draußen, mein TAXI steht vor der Tür, der Kollege will ablösen. Bin ich gut vorbereitet? Man muß ja mitreden können ...
(gb)

 

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