leben im taxiland?!
champagner,  lachsbrötchen oder doch nur kilometerschnittchen

„und, wie war´s bei dir gestern?“
„gestern? das war doch `ne bombenschicht! 1,93 habe ich abgegeben!
 „1,93? ach so, du meinst deinen kilometerschnitt. und was hattest du auf der uhr?“
 „132.60 dm. nicht so gut. aber 1,93 das ist doch immerhin WAS.
„und WAS?“
„naja...“

merkwürdig. merkwürdig. sicherlich habe ich auch schon eine stunde am STILLEN WEG gestanden. die aussicht dort ist eher mäßig, aber die lektüre war ausgezeichnet. und bestimmt habe ich mich dabei mal maßlos geärgert, wenn es über funk hieß:“am waffenplatz steht noch  kundschaft!“. legendär für mich sind auch drei stunden stand kennedy. doch das intensive gespräch mit dem kollegen war es wert. aber an eines habe ich bei diesen standzeiten nie gedacht: ich muß hier stehen  bleiben, um meinen kilometerschnitt zu verbessern. darum verwundert es doch sehr, daß viele kollegInnen so sehr auf diesen bedacht sind. ja, sogar richtig stolz, wenn zum schichtende eine 2 vor dem komma steht. andersherum, enttäuscht, wenn dieser ominöse wert mal völlig im keller ist.

neugierig bin ich. und nachgefragt habe ich auch: es gibt, bei zumindest einem örtlichen taxiunternehmen, tatsächlich eine sogenannte kilometerprämie. der zur monatlichen jackpotausschüttung führende minimalwert dieses schnitts löste bei mir akute atemnot aus. wiederbelebungsversuche zwar erfolgreich, doch weiterhin  kreidebleich, fragte ich mich schon, wer diesen wert erreichen soll? und vor allen dingen: ist wirklich soviel los, als daß es sich lohnen würde, an den ständen kleben zu bleiben?

aber irgendwie hat sich dieser höchst infektiöse kilometerschnittvirus tief in den gehirnen vieler kollegenInnen eingenistet. BSE (und damit habe ich dieses immer noch aktuelle thema auch in dieser kolumne verbraten) ist  dagegen vergleichsweise harmlos. bricht dieser virus bei einem eben noch gesunden kollegen aus, so führt er zu sofortiger verunsicherung und hektischen flecken im gesicht: “mein chef meckert über einen schnitt von 1,20. aber ich war doch heute in emden. ist der etwa nicht zufrieden?“

EGAL! noch einmal ganz laut und deutlich: SCHEIßEGAL! möchte man dem werten kollegen zurufen. DU! warst in emden. DU! hast heute endlich mal wieder GELD! verdient! du kannst dir heute ein gläschen champagner und ein lachsbrötchen leisten! wohl bekomms! ist ja selten genug!

also, drückt für jede tour rein. fahrt von kreyenbrück leer nach bloherfelde, wenn da kundschaft wartet und kein anderer kollege will. UMSATZBETEILIGUNG  heißt das zauberwort in unserem gewerbe. GUTE KILOMETER? SCHLECHTE KILOMETER? welcher fahrer wird denn schon von kilometerschnittchen satt?

fröhliche talfahrt!
gl

 

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